Wer bei H&M in Hesel zuerst an Bekleidung denkt, liegt falsch. H&M steht hier für Holtz und Mitarbeiter. Das Ingenieurbüro beschäftigt sich seit mehr als drei Jahrzehnten mit Natur, Umwelt und den Auswirkungen von Bauvorhaben.
Gemeinsam mit Thomas Bohlen habe ich das Unternehmen besucht und mich ausführlich mit Claudia Bauer, Norbert Graefe und Christine Broers über die Arbeit des Büros, aktuelle Herausforderungen und die weitere Entwicklung des Unternehmens ausgetauscht.
Damit die Natur bei Bauvorhaben nicht zu kurz kommt
Gegründet wurde das Büro vor 36 Jahren von Harald Holtz, der bis heute Inhaber ist. Die operative Geschäftsführung liegt seit vielen Jahren bei Claudia Bauer und Norbert Graefe. Rund 20 Menschen arbeiten heute am Standort in Hesel.
Norbert Graefe beschrieb die Aufgabe des Unternehmens im Gespräch sehr anschaulich:
„Wir bei H&M sorgen dafür, dass die Natur bei Bauvorhaben nicht zu kurz kommt.“
Das Büro übernimmt unter anderem Umweltkartierungen, erstellt fachliche Untersuchungen und begleitet Bauprojekte aus ökologischer und bodenkundlicher Sicht.
Auch die Samtgemeinde Hesel hat bereits bei verschiedenen Projekten erfolgreich mit H&M zusammengearbeitet. Dazu gehören beispielsweise avifaunistische Untersuchungen im Zusammenhang mit Windenergiegebieten, Fledermauskontrollen für ein Wohngebiet an der Poststraße in Hesel sowie Untersuchungen zu Umweltauswirkungen und Kompensationsmaßnahmen für ein Wohngebiet an der Siebestocker Straße in Holtland.
Für mich ist es ein großer Vorteil, solches Fachwissen direkt in unserer Samtgemeinde zu haben. Gleichzeitig entstehen damit rund 20 qualifizierte und hochwertige Arbeitsplätze vor Ort.
Ein wichtiger Impuls für unsere Vergabepraxis
Ein besonders interessanter Teil unseres gemeinsamen Gesprächs mit Claudia Bauer, Norbert Graefe und Christine Broers betraf die Vergabe von Planungsleistungen.
Im Rahmen der Bauleitplanung vergibt unsere Bauverwaltung Planungsleistungen bislang häufig gebündelt an ein Planungsbüro. Für die Verwaltung hat dieses Vorgehen einen klaren organisatorischen Vorteil: Es gibt für das gesamte Verfahren einen zentralen Ansprechpartner.
Gleichzeitig kann diese Form der Vergabe dazu führen, dass spezialisierte Unternehmen aus unserer Samtgemeinde bei einzelnen Leistungen kaum eine Möglichkeit haben, sich unmittelbar am Wettbewerb zu beteiligen. Umweltfachliche Leistungen werden dann häufig von Nachunternehmen am Standort des beauftragten Planungsbüros übernommen.
Dieser Hinweis hat mich zum Nachdenken gebracht.
Ich arbeite seit vielen Jahren in unserer Samtgemeindeverwaltung und kenne viele Abläufe sehr genau. Gerade deshalb finde ich es wichtig, bestehende Verfahren immer wieder zu hinterfragen. Erfahrung darf nicht bedeuten, alles so weiterzuführen wie bisher.
Wo es vergaberechtlich zulässig und fachlich sinnvoll ist, möchte ich deshalb künftig stärker mit getrennten Losen arbeiten. So könnten beispielsweise Leistungen zur Erstellung von Umweltberichten im Rahmen einer Bauleitplanung eigenständig ausgeschrieben werden.
Damit bleibt der Wettbewerb offen und zugleich erhalten spezialisierte Unternehmen aus unserer Region bessere Chancen, sich unmittelbar um Aufträge zu bewerben.
Solche Gespräche sind für mich ein wichtiger Bestandteil guter Kommunalpolitik: zuhören, Argumente prüfen und daraus konkrete Verbesserungen entwickeln.
Ökologische Baubegleitung wird immer wichtiger
Ein weiteres wichtiges Tätigkeitsfeld von H&M ist die ökologische und bodenkundliche Baubegleitung.
Bei immer mehr Bauvorhaben verlangen Genehmigungsbehörden entsprechende fachliche Begleitungen. Die Fachleute beobachten dabei die Umsetzung auf der Baustelle und achten darauf, dass Vorgaben zum Schutz von Natur, Arten und Böden eingehalten werden.
Ein Beispiel dafür ist die Errichtung großer Windenergieanlagen. Gerade bei solchen umfangreichen Eingriffen zeigt sich, dass wirtschaftliche Entwicklung, Infrastruktur und der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen gemeinsam gedacht werden müssen.
Genau darin sehe ich auch eine wichtige Aufgabe für die Samtgemeinde der kommenden Jahre: Entwicklung ermöglichen und gleichzeitig verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umgehen.
Nachhaltigkeit auch bei der Unternehmensnachfolge
Ein weiterer Schwerpunkt unseres Gesprächs war die Zukunft des Unternehmens.
H&M möchte nicht um jeden Preis immer weiter wachsen. Die erreichte Größe soll gesund weiterentwickelt und die familiäre Atmosphäre erhalten werden. Gleichzeitig wird rechtzeitig die Nachfolge vorbereitet.
Neben den langjährigen Geschäftsführern Claudia Bauer und Norbert Graefe übernimmt dabei Christine Broers zunehmend Verantwortung. Sie wurde bereits im Februar zur Prokuristin ernannt und soll nach einer Übergangsphase perspektivisch Aufgaben in der Geschäftsführung übernehmen.
Für mich ist das ein gutes Beispiel für nachhaltige Unternehmenspolitik: nicht nur auf die nächsten Monate schauen, sondern frühzeitig Verantwortung für die kommenden Jahre übernehmen und Wissen innerhalb des Unternehmens weitergeben.
Unser Gespräch zu diesen ganz unterschiedlichen Themen war übrigens so intensiv, dass wir am Ende ganz vergessen haben, ein gemeinsames Foto zu machen. Dafür habe ich aus dem Termin viele gute Gedanken und einen ganz konkreten Impuls für unsere Verwaltungsarbeit mitgenommen.
Vielen Dank an Claudia Bauer, Norbert Graefe und Christine Broers für den offenen, fachlich interessanten Austausch.